Strategie
Drei Wege, ein Heft – digital only, verlängert oder 1:1?
Dasselbe Heft kann drei digitale Ausgaben werden: die getreue Übertragung, die erweiterte Fassung mit Video und Interaktion – oder ein Magazin, das gar kein Print mehr braucht. Welche Variante zu wem passt, was die KI jeweils braucht und was die Redaktion beisteuert.
Sobald die Produktion einer digitalen Ausgabe nur noch Stunden kostet, verschiebt sich die Frage. Sie lautet nicht mehr „Können wir uns das leisten?", sondern „Was genau wollen wir digital ausspielen?" Drei Antworten haben sich in der Praxis herausgebildet – und sie schließen einander nicht aus. Viele Magazine starten mit der einfachsten, wachsen in die zweite hinein und entdecken unterwegs, dass die dritte näher liegt als gedacht. Dieser Beitrag stellt die drei Wege vor, nennt typische Fälle und zeigt, was jeweils auf die Redaktion zukommt.
Worum es geht
Nicht jede digitale Ausgabe muss das Heft kopieren – und nicht jede muss es ersetzen. Die richtige Wahl hängt davon ab, wofür das Magazin da ist.
Warum die Frage nach dem Weg überhaupt neu ist
Solange eine digitale Ausgabe ein eigenes Projekt war, gab es nur zwei Zustände: Entweder das Heft bekam eine digitale Fassung – oder nicht. Wer sich dafür entschied, wollte möglichst viel Nutzen aus dem Aufwand ziehen und baute gleich groß: mit Video, Interaktion, neuen Texten. Das machte die Entscheidung schwer und den Start selten.
Heute kostet der erste Schritt fast nichts. Die KI baut die Übertragung, wie das Titelthema zeigt, aus den vorhandenen Druckdaten. Damit wird aus der großen Entscheidung eine kleine: Womit fangen wir an – und was kommt in der nächsten Ausgabe dazu?

Gelesen wird heute dort, wo das Heft nicht hinkommt: unterwegs, zwischendurch, auf dem Handy – der eigentliche Grund für jede digitale Ausgabe.
Bevor wir die drei Wege einzeln ansehen, ein Blick auf die Zahlen: Sie zeigen, warum sich die meisten Magazine nicht für einen Weg entscheiden, sondern für eine Reihenfolge.
Drei Wege in Zahlen
Wie Magazine heute ausspielen
Starten 1:1
Die meisten digitalen Ausgaben beginnen als getreue Übertragung des Hefts – weil es in Stunden geht.
Erste Erweiterung
Spätestens ab der zweiten Ausgabe kommen Video, Verlinkung oder Formulare dazu.
Mehr Lesedauer
So viel länger bleiben Leser in digital verlängerten Ausgaben gegenüber der reinen Übertragung.
Digital only
Etwa jedes vierte neue Magazin erscheint heute ohne Printausgabe – und nutzt Printdaten nur noch als Archiv.
Richtwerte aus Novamag-Projekten 2025/2026 über Kunden- und Mitarbeitermagazine hinweg; Lesedauer als Median pro Ausgabe.
Die Zahlen zeichnen einen Weg vor: klein anfangen, schnell erweitern, irgendwann neu denken. Wer die drei Stufen kennt, kann diesen Weg bewusst gehen statt zufällig.
Kurz erklärt
1:1 überträgt das Heft vollständig in die digitale Ausgabe. Digital verlängert ergänzt Inhalte, die nur am Bildschirm möglich sind. Digital only plant die Ausgabe von vornherein ohne Print – die Druckdaten sind dann Quelle oder Archiv, nicht mehr Produkt.
Die drei Wege im Überblick
Jeder Weg hat einen typischen Fall, einen Aufwand und eine Grenze. Die Reihenfolge ist kein Ranking – sie ist der Verlauf, den viele Magazine nehmen.
01
1:1 – das Heft, digital
Die KI überträgt alle Artikel, Bilder und Kästen in die digitale Ausgabe. Ideal für Archive, Pflicht- und Mitgliedermagazine und als erster Schritt. Aufwand: Stunden. Grenze: Es bleibt ein Heft.
02
Digital verlängert – das Heft plus
Die Übertragung wird erweitert: Video statt Standbild, Links, Formulare, Daten, Updates nach Erscheinen. Ideal für Kunden- und Fachmagazine. Aufwand: ein Tag Finish. Gewinn: Lesedauer und Anfragen.
03
Digital only – ohne Heft gedacht
Die Ausgabe entsteht für den Bildschirm; Printdaten sind Quelle für Texte und Bilder. Ideal für neue Formate, Themenmagazine, Kampagnen. Aufwand: Redaktion statt Druckerei. Gewinn: Tempo und Reichweite.
04
Die Mischform – Print bleibt, Digital wächst
In der Praxis das häufigste Bild: Das Heft erscheint weiter, die digitale Ausgabe ist der Erstkanal und wird laufend ergänzt. Eine Quelle, zwei Produkte, ein Team.
Am deutlichsten wird der Unterschied an einem einzigen Artikel – etwa einem Interview, das im Heft vier Seiten hat.
Ein Interview, zwei Ausspielungen
1:1 übertragen
Digital verlängert
Beides ist richtig – für unterschiedliche Zwecke. Die 1:1-Fassung ist das Archiv, die verlängerte Fassung das Gespräch. Welche zuerst kommt, entscheidet die Redaktion in sechs Schritten.
So findest du den passenden Weg
Die Entscheidung braucht keinen Workshop. Sechs Fragen, ehrlich beantwortet, reichen.
01
Wozu ist das Magazin da?
Information, Bindung, Anfragen, Pflicht? Je stärker es auf Wirkung zielt, desto eher lohnt die verlängerte Fassung.
02
Wer liest – und wo?
Mitglieder am Schreibtisch oder Kunden auf dem Handy? Mobile Leser belohnen kurze, verlinkte, bewegte Inhalte.
03
Was liegt an Material vor?
Nur Druckdaten → 1:1 starten. Videos, Daten, Fotos im Überfluss → verlängert planen.
04
Wie oft erscheint es?
Quartalsweise oder seltener → jede Ausgabe verlängern. Monatlich oder öfter → 1:1 als Standard, Highlights verlängern.
05
Wer macht das Finish?
Eine Person, ein halber Tag pro Ausgabe – das reicht für die verlängerte Fassung. Ohne diese Person: 1:1, sauber und pünktlich.
06
Was soll in einem Jahr sein?
Wer in zwölf Monaten ohne Heft arbeiten will, plant heute schon digital only – und nutzt das Heft als Zulieferer.
Was auch immer herauskommt: Der Weg ist nicht endgültig. Die meisten Redaktionen wechseln ihn mit der Zeit – und einige Fehler begegnen einem auf jedem.

Das Heft am Kiosk, die Ausgabe in der Tasche: Wer beides bedient, braucht eine Quelle, nicht zwei Produktionen.
Drei Fehler bei der Wahl des Weges
Sie kosten nicht viel Geld, aber Wirkung – und sie lassen sich alle drei vermeiden.
01
Verlängern, ohne zu kürzen
Wer das komplette Heft überträgt und obendrauf Video und Links legt, baut eine Ausgabe, die länger ist als jede Aufmerksamkeit. Verlängern heißt zuerst: weglassen.
02
Digital only als Sparprogramm
Ohne Heft fehlen Druck und Porto – aber nicht die Redaktion. Wer digital only plant, plant Inhalt für den Bildschirm, nicht weniger Inhalt.
03
Jede Ausgabe anders
Mal 1:1, mal verlängert, mal gar nicht: Leser lernen dann, dass sich Warten nicht lohnt. Ein Weg, verlässlich gegangen, schlägt drei Wege im Wechsel.
Der gemeinsame Nenner: Der Weg ist eine redaktionelle Entscheidung, keine technische. Die Technik kann heute alle drei – die Frage ist, welchen man seinen Lesern verspricht.
Zum Schluss
Die wichtigsten Antworten, eine Checkliste zum Abhaken und das Fazit – alles, was du für die Entscheidung brauchst, auf einen Blick.
Häufige Fragen
Häufige Fragen zu den drei Wegen
Checkliste
Bevor du dich entscheidest
Ist klar, wofür das Magazin da ist – und woran wir Erfolg messen?
Wissen wir, wo und womit unsere Leser lesen?
Liegen über die Druckdaten hinaus Videos, Daten oder Fotos vor?
Gibt es eine Person und einen halben Tag pro Ausgabe für das Finish?
Haben wir den Weg festgelegt – und den Lesern gesagt, was sie erwartet?
Fazit
Ein Heft, drei Möglichkeiten
Die digitale Ausgabe ist keine Kopie und kein Ersatz des Hefts, sondern eine Entscheidung darüber, wie viel Bildschirm man seinen Inhalten zutraut. 1:1 ist der sichere Start, verlängert der wirksame Alltag, digital only die konsequente Zukunft.
Wer klein anfängt und verlässlich erweitert, kommt weiter als mit dem großen Wurf. Und wer wissen will, wie sich dabei die Arbeit in der Redaktion verändert, liest weiter in „Der Workflow, vorher und nachher“.
Selbst ausprobieren
Novamag baut aus deinen Druckdaten per KI ein fertiges Digitalmagazin – 1:1 in Stunden, verlängert mit wenigen Handgriffen, digital only ganz ohne Heft.
Scroll – das Digitalmagazin von Novamag, der KI-Plattform für Digital Publishing
Ausgabe 02 · Herbst 2026 · Novamag GmbH · Senefelder-Ring 14 · 21465 Reinbek
© 2026 Novamag GmbH · Scroll – Digital Publishing
